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INKLUSION: Film “Berg Fidel — Eine Schule für alle”

28/06/2012 | Presse und Medien

Ein beson­derer Film über einen beson­deren Ort

Drei Jahre lang hat die Regis­seurin Hella Wenders vier Kinder der inklu­siven Gemein­schafts­grund­schule Berg Fidel in Münster mit der Kamera einfühlsam begleitet. Das Ergebnis ist ein Dokumen­tar­film, der uns zum Lachen und zum Weinen bringt, denn wir erleben den Alltag dieser Kinder in Schule, Familie und Stadt­teil mit ihren Augen. Der gleich­na­mige Stadt­teil gilt als sozialer Brenn­punkt.        

Für Anita, David, Jakob und Lucas ist diese Schule ein sicherer und verläss­li­cher Lern- und Lebensort. Dort lernen sie in alters­ge­mischten Gruppen gemeinsam und für sich in der Beglei­tung ihrer Lehre­rinnen und Lehrer. Sie üben, entde­cken, erfor­schen, spielen, feiern und erleben dabei Freude, aber auch Ärger und Enttäu­schungen. Sie verar­beiten dort Probleme, die im Schul­alltag entstehen oder die sie aus ihren Lebens­si­tua­tionen mitbringen. Berg Fidel ist Ort für Bezie­hung, Anerken­nung und Unter­stüt­zung, für Heraus­for­de­rung, Anstren­gung und Erfah­rung, für die ganzheit­liche Entwick­lung und Stärkung von Kindern. 

Wir erleben die vier Kinder in wechselnden Situa­tionen und Stimmungen und  nie schiebt sich ein Kommentar vor das, was wir als Zuschauer sehen und hören. Die Regis­seurin hat den Film durch­ge­hend auf der Augen­höhe der Kinder gedreht. So sind sie immer Subjekte und nie Objekte für die Kamera. Ganz beson­ders kostbar und berüh­rend sind die Momente, wenn die Kinder über sich selbst mit großer Ernst­haf­tig­keit sprechen und sich der Regis­seurin anver­trauen.          

David ist mit seinen vielfäl­tigen Begabungen und seiner sozialen Kompe­tenz in Berg Fidel bestens aufge­hoben. Das freie und selbst­ver­ant­wort­liche Lernen nutzt er, um phanta­sie­volle Geschichten zu schreiben, kompli­zierte Rechen­auf­gaben zu lösen oder sich mit astro­no­mi­schen Fragen zu beschäf­tigen. Sein Wissen teilt er gerne mit anderen. Den Klassenrat leitet er fair und souverän und die Kinder sind mit seinen Lösungs­vor­schlägen einver­standen. Selbst­be­wusst und locker  geht er mit seinem einge­schränkten Seh- und Hörver­mögen um und versteckt seine Behin­de­rung nicht. Wir hören ihn am häusli­chen Klavier und lernen ihn als Kompo­nisten kennen. 

In Berg Fidel ist auch Jakob willkommen. Er ist Davids jüngerer Bruder und Träger des Down-Syndroms. In der Schule braucht David sich nicht um seinen Bruder zu kümmern. Das machen die Mitschüler/innen. Sie nehmen großen Anteil an Jakob und seinen Lernfort­schritten. Umgekehrt steckt er alle an mit seiner Lebens­freude und seiner großen Leiden­schaft für Autos. Er kann gut trösten, sagen die Kinder über ihn. Aber er kann auch nerven und das erlebt David zuweilen als ausge­spro­chen störend. In der Schule lernt Jakob Unter­stüt­zung anzunehmen, einzu­for­dern, aber auch abzulehnen, wenn es ihm zu viel wird.

Lucas weiß alles über Autome­chanik und ist absoluter Experte für getunte Wagen. Er hält sich trotzdem für „doof“, weil er länger braucht, bis er die Aufgaben selbständig lösen kann. Dass die Schule für die Kinder ein sozialer, persön­li­cher und kogni­tiver Entwick­lungs­raum ist, tut ihm gut.      

Anita ist Roma und mit ihren Eltern und Geschwis­tern aus dem Kosovo nach Deutsch­land geflüchtet. Sie träumt davon, ein Topmodel zu werden. Zuhause muss sie sich um ihre Geschwister und den kleinen Bruder kümmern. Als ihre Familie zusammen mit anderen Romafa­mi­lien des Stadt­teils abgeschoben werden soll, gibt ihr die Schule rückhalt­lose Unter­stüt­zung. Lehrer, Eltern und Kinder demons­trieren für das Bleibe­recht. Die Mitschüler/innen schreiben Briefe an Angela Merkel.

Während die Abschie­bung von Anita und ihrer Familie abgewendet werden kann, nähert sich für die vier das unabwend­bare Schicksal aller  Grund­schul­kinder in Deutsch­land. Anita, David, Jakob und Lucas werden gegen ihren Willen am Ende von Klasse 4 vonein­ander getrennt werden.   

Anita hat mit dem Lernen Schwie­rig­keiten und muss sich auf den Besuch der Förder­schule einstellen. Der Film begleitet sie bei ihrer ersten Begeg­nung mit ihrer zukünf­tigen Schule. Die Kamera fängt szenisch die ganze Absur­dität dieser schul­bü­ro­kra­ti­schen Maßnahme ein. Wir erleben in Anitas Gesicht den schmerz­haften Abschied von allem, was ihr bislang vertraut ist und sie gestärkt hat. Für Lucas steht dagegen die Realschule an und David, der Ableh­nungen von zwei Gymna­sien erhalten hat, wird die Montessori Gesamt­schule besuchen. Nur Jakob darf noch ein Jahr lang in Berg Fidel bleiben. 

Am Ende bleiben wir zurück mit der Frage, warum wir so mit unseren Kindern umgehen und ihnen die sinnlose Trennung antun. Die Kinder sagen uns, was das Richtige ist, und geben den Wunsch mit auf den Weg, dass Berg Fidel eine Modell­schule von 1–13 wird. Im Nachspann erfahren wir, dass die Schule dafür ein Konzept entwi­ckelt hat und es nun an der Politik ist, dies zu ermög­li­chen.   

Hella Wenders ist es mit ihrem ersten abend­fül­lenden Film nach ihrem Studium an der Deutschen Film- und Fernseh­aka­demie in Berlin wunderbar gelungen, den sperrigen Begriff „Inklu­sion“ in Bilder zu übersetzen. Sie lässt uns ahnen, welch eine Berei­che­rung es für unser Leben brächte, wenn wir das Mitein­an­der­leben lernten wie in Berg Fidel. 

Der Film startet am 13. September 2012 bundes­weit im Verleih von W‑film.
Alle Kinoter­mine, inklu­sive Sonder­ver­an­stal­tungen, werden laufend aktua­li­siert und sind zu finden unter: www.kinotermine.bergfidel.wfilm.de
Lokale Unter­stüt­zung für den Film sowie Sonder­ver­an­stal­tungen mit Exper­ten­dis­kus­sion können mit dem Verleih abgespro­chen werden. Kontakt­adresse:   

W‑film
Senta Koske
0221.2221992
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