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Präna­tal­dia­gnostik und Diskri­mi­nie­rung

29/08/2016 | Presse und Medien

Amelia Massetti, Gründerin von Artemisia, schreibt über eine heikles Thema, über die Präna­tal­dia­gnostik und die Art und Weise, wie das System oft die Frauen zur Abtrei­bung anspornt, falls dem Fötus eine Krank­heit diagnos­ti­ziert wird.

Die in Deutsch­land entfachte Debatte, über wer für den Präna­tal­test aufkommen soll, um festzu­stellen, ob das Kind Down-Syndrom hat, lässt erneut eine wichtige Diskus­sion über die Bedeu­tung der sozialen Inklu­sion der Menschen mit verschie­denen Fähig­keiten aufkommen.

Diese Inklu­sion wird leider oft noch von einem verpflich­tenden Verlauf zwischen Sonder­schulen, betreuten Wohnge­mein­schaften und Werkstätten für Menschen mit Behin­de­rung beein­träch­tigt. Diese Situa­tion führt zu einer tatsäch­li­chen Segre­ga­tion und zu einem „selek­tiven“ Einsatz der Ressourcen. Auch die vom Staat übernom­menen Kosten, die größten­teils der Errich­tung dieser getrennten Struk­turen  dienen, lassen keinen Platz für andere Projekte, z.B. für die, die das Ziel verfolgen, Menschen mit verschie­denen Fähig­keiten auch wirklich in die Gesell­schaft einzu­glie­dern.

Ganz nach demselben Prinzip inves­tiert das System auch immer mehr in die Präna­tal­for­schung und –diagnostik, um die Geburt von Kindern mit Down-Syndrom zu vermeiden, anstatt in Methoden und Inter­ven­tionen zu inves­tieren, die notwendig wären, um die Lebens­qua­lität dieser Kinder nach ihrer Geburt zu verbes­sern.

Man begründet die gewünschte Durch­füh­rung der von der Kranken­kasse übernom­menen Präna­tal­dia­gnostik mit der Gewähr­leis­tung, dass eine gerin­gere Anzahl von Kindern mit Behin­de­rung auf die Welt kommen soll. Auf diese Weise nimmt die Gesell­schaft wahr, dass diese Menschen unerwünscht sind und somit auf alle Fälle vermieden werden soll, dass sie überhaupt geboren werden.
Seit 2005 werden Schwan­gere in Dänemark von den Ärzten dazu aufge­for­dert, eine Präna­tal­dia­gnostik durch­führen zu lassen. Und falls beim Fötus das Down-Syndrom festge­stellt wird, so herrscht die Tendenz vor, eine Abtrei­bung zu empfehlen. Die zukünf­tige Mutter wird davon überzeugt, dass die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom zu einer riesigen Verant­wor­tung führen wird, die auch den Rest der Familie belasten wird. Daher ist es in den letzten Jahren in Dänemark zu einer solchen Reduzie­rung der Gebur­ten­zahl der Kinder mit Down-Syndrom gekommen, dass man davon ausgehen kann, dass es inner­halb von 20 Jahren hier gar keine Menschen mit diesem Syndrom mehr geben wird.

Man versucht somit erneut, den Menschen mit Behin­de­rung zu dämoni­sieren, wie es in der Antike der Fall war, als die Kinder mit Missbil­dungen von den Felsen geworfen wurden.

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