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Es ist normal, verschieden zu sein

29/08/2016 | Presse und Medien

 | 10.20 Uhr

Kolumne: Gott Und Die Welt

Der Bluttest, der anzeigt, ob ein Ungebo­renes Trisomie 21 hat, soll zu einer Regel­leis­tung der Kassen werden. Das erhöht den Druck auf werdende Eltern — sollten sie sich für ein behin­dertes Kind entscheiden.

Harmlos, fast beiläufig, klingt, was vor einigen Tagen von den Kranken­kassen zu hören war: Der seit 2012 auf dem Markt befind­liche Bluttest, der anzeigt, ob ein Ungebo­renes Trisomie 21 — besser bekannt als Downsyn­drom — hat, soll zu einer Regel­leis­tung werden, die die Kranken­kassen zukünftig bezahlen. Das jeden­falls überprüft derzeit der gemein­same Bundes­aus­schuss.

Bislang wird der Test Frauen mit einer Risiko­schwan­ger­schaft, also Erstge­bä­renden über 35 Jahre, Diabe­ti­ke­rinnen und bei Mehrlings­schwan­ger­schaften angeboten. Die Kosten von 400 bis 600 Euro müssen die Schwan­geren selbst bezahlen. Der Bluttest erübrigt eine Frucht­was­ser­un­ter­su­chung und hilft, das Risiko einer Fehlge­burt zu vermeiden. Ein medizi­ni­scher Fortschritt ohne Wenn und Aber? Ich ahne, unter welchen Druck Eltern kommen, wenn sie sich — der Routine (“Regel­leis­tung”) zum Trotz — für ihr behin­dertes Kind entscheiden.

Der verstor­bene Bundes­prä­si­dent Richard von Weizsä­cker warnte mit Blick auf präna­tale Diagnostik einmal davor, auf diesem Weg “Normvor­stel­lungen zu entwi­ckeln, wonach bestimmte körper­liche oder geistige Beein­träch­ti­gungen schlechthin als unzumutbar bezeichnet werden”. Und er verwies darauf, dass dabei immer wieder insbe­son­dere für die betrof­fenen Eltern eine Entschei­dungs­si­tua­tion entsteht, “die moralisch und ethisch höchste Anfor­de­rungen stellt.”

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