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„Die Spezi­al­mutter“

13/02/2026 | Erfahrungsberichte

Fragen auch Sie sich nach der Geburt Ihres behin­derten Kindes „Warum musste das gerade mir passieren?“ oder zweifeln Sie an sich „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe!“?

Auch mir ging es so und mich quälte vor allem die Frage „Bin ich gut genug als Mutter für mein beson­deres Kind?“ Mein Sohn mit Down-Syndrom war unser 2. Wunsch­kind, aber ich liebe auch meinen Beruf, habe einige Hobbies, liebe Reisen und wollte mich weiter­ent­wi­ckeln und nicht nur Vollzeit-Mama sein. „Alles vorbei?“ fragte ich mich. Ehrlich, ich bezeichne mich selbst für sehr freiheits­lie­bend, ehrgeizig, ungeduldig und auch egois­tisch. Da bringe ich nicht wirklich ideale Voraus­set­zungen für die Erzie­hung eines behin­derten Kindes mit, nicht wahr?
Dann stieß ich auf diesen kleinen Text (Autor mir leider nicht bekannt), der mich nicht nur sehr gerührt, sondern auch wirklich ermutigt hat. Er ist einfach wunderbar. Ich bin mir sicher, er tröstet auch Sie als Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom. Alles Gute für Ihr Mutter­sein!

Karin Gordon (12. August 2003)

„Die Spezi­al­mutter“:
Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesell­schaft­li­chem Druck und ein paar aus reiner Gewohn­heit. Dieses Jahr werden 100.00 Frauen Mütter behin­derter Kinder werden. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, nach welchen Gesichts­punkten die Mütter behin­derter Kinder ausge­wählt werden?
Ich stelle mir Gott vor, wie er über der Erde schwebt und sich die Werkzeuge der Arterhal­tung mit größter Sorgfalt und Überle­gung aussucht. Er beobachtet genau und diktiert dann seinen Engeln Anwei­sungen uns riesige Haupt­buch.
„Armstrong, Beth: Sohn. Schutz­hei­liger: Matthias. Forst Marjorie: Tochter. Schutz­hei­lige: Cäcilie. Rutledge, Carrie: Zwillinge. Schutz­hei­liger? Gebt ihr Gerhard, der ist es gewohnt, dass geflucht wird.“
Schließ­lich nennt er einem Engel einen Namen und sagt lächelnd: “Der gebe ich ein behin­dertes Kind.“ Der Engel wird neugierig: “Warum gerade ihr, o Herr? Sie ist doch so glück­lich!“ „Eben deswegen“, sagt Gott lächelnd. „Kann ich einem behin­derten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam.“
„Aber hat sie denn die nötige Geduld?“ fragt der Engel. „Ich will nicht, dass sie zuviel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbst­mit­leid und Verzweif­lung. Wenn der anfäng­liche Schock und Zorn verklungen sind, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbst­stän­dig­keit und Unabhän­gig­keit, die bei Müttern so selten und so nötig sind. Verstehst Du: das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Und sie muss es zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht leicht werden.“
„Aber, Herr, soviel ich weiß, glaubt sie nicht einmal an dich.“ Gott lächelt. „Das macht nichts, das bringe ich schon in Ordnung. Nein, sie ist hervor­ra­gend in Ordnung. Sie hat genügend Egoismus.“ Der Engel ringt nach Luft. „Egoismus? Ist das denn eine Tugend?“ Gott nickt. „Wenn sie sich nicht gelegent­lich von dem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen.“
„Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkom­menen Kind beschenken werde. Sie weiß es zwar noch nicht, aber sie ist zu beneiden. Nie wird sie ein gespro­chenes Wort als etwas Selbst­ver­ständ­li­ches hinnehmen. Nie einen Schritt als etwas Alltäg­li­ches. Wenn ihr Kind zum ersten Mal Mama sagt, wird ihr klar sein, dass sie ein Wunder erlebt. Wenn sie ihrem blinden Kind einen Baum, einen Sonnen­un­ter­gang schil­dert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöp­fung jemals sehen. Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu erkennen, was auch ich erkenne – Unwis­sen­heit, Grausam­keit, Vorur­teile – und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben. Sie wird niemals allein sein. Ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie meine Arbeit eben so sicher tut, als sei sie hier neben mir.“ „Und was bekommt sie für einen Schutz­hei­ligen?“ fragt der Engel mit gezückter Feder. Da lächelt Gott. „Ein Spiegel wird genügen.“