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Präna­tale Diagnostik Wenn Eltern gegen die Geburt ihres Kindes klagen

29/02/2016 | Presse und Medien

“Das muss doch heutzu­tage nicht mehr sein”: Wenn Eltern ihr Kind lieben und es trotzdem lieber nicht bekommen hätten, läuft einiges schief. Ein Essay über präna­tale Diagnostik.

Von Michael Neude­cker

In Saal E.37 des Münchner Oberlan­des­ge­richts spielte sich neulich Erstaun­li­ches ab: Die Eltern der vierjäh­rigen Jasmina, das Ehepaar E., klagten gegen die Ärzte einer Spezi­al­klinik, weil sie finden, die Ärzte hätten die Behin­de­rung ihrer Tochter erkennen müssen. Jasmina hat Trisomie 21, zudem einen komplexen Herzfehler und eine Gefäß­er­kran­kung, und die E.s sagen, sie liebten Jasmina zwar sehr, aber wenn sie das gewusst hätten, dann hätten sie die Schwan­ger­schaft abgebro­chen.

Der Fall der Familie E. ist kein Einzel­fall, und man muss nicht selbst Vater oder Mutter eines behin­derten Kindes sein, um sich die Frage zu stellen: Wenn Eltern, die ihr Kind lieben, dagegen klagen, dass es überhaupt geboren wurde — was ist dann bloß schief gelaufen in unserer Gesell­schaft?

 

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