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Hoppla, Downsyn­drom? (Taz am 10.04.2012 über “Die Mongo­lettes – Wir wollen rocken!”)

11/04/2012 | Presse und Medien

Nur Ornament, nicht Thema sind die Downies in „Die Mongo­lettes – Wir wollen rocken!“. Ein Film, der alles richtig machen will – und damit diskri­mi­niert.

von Jens Müller

      Hoppla, Downsyn­drom? Ja, Downsyn­drom! Das ist es, womit der Film punkten will – sein Allein­stel­lungs­merkmal, seine USP. Die Schüler sind keine „normalen“ Schüler, die Schule ist eine Förder­schule. Die Schüler-Darsteller mit Trisomie 21 treten sonst im Berliner Circus Sonnen­stich auf.

Bloß niemanden vorführen

Offenbar sind Autor Jürgen Matthäi („Alarm für Cobra 11“) und Regis­seur Florian Gärtner („Sex Up – Jungs haben’s auch nicht leicht“; „Sex Up – ich könnt’ schon wieder“) sehr skrupu­löse Menschen und wollen also alles ganz beson­ders richtig machen. Auf keinen Fall soll hier jemand vorge­führt werden, sollen die Lacher auf Kosten der Behin­derten gehen. Das Presse­heft sagt dazu: „Die Sat.1‑Komödie stellt nicht die Behin­de­rung in den Vorder­grund. Es geht vielmehr auch um die ganz normalen Probleme von Teenagern – vom ersten Verliebt­sein bis hin zum Ausbre­chen aus festge­legten Normen.“

Genau hier liegt das Problem. Die Behin­derten sind in diesem Film nicht Thema, sondern Ornament. Weil sie aber dabei sind, weil sich die Macher deswegen die Glacé­hand­schuhe überge­streift haben, geht dem Film genau das völlig ab, was für eine gute Komödie unabdingbar ist: Schräg­heit, Unkor­rekt­heit, Anarchie.      

 

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