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Erbgut­test — Der Preis der Selbst­ver­wirk­li­chung (Zeit online)

5/04/2012 | Presse und Medien

Müssen wir Tests ablehnen, die früh Behin­de­rungen bei Föten aufde­cken?

Die Eltern von Kindern mit Downsyn­drom kennen diese Blicke. Mitleid schwingt darin mit und ein Vorwurf: Warum habt ihr dieses Kind bekommen? Freunde oder Verwandte fragen manchmal ganz direkt: »Habt ihr da nichts gemacht? Heute sind solche Behin­de­rungen doch kein Schicksal mehr, sondern vermeidbar. Ihr ruiniert doch euer Leben.«

In Zukunft, befürchten viele, werden die missach­tenden Blicke noch zunehmen. Denn bald soll ein neuer Test es werdenden Eltern leichter machen, Kinder mit Trisomie 21, dem Downsyn­drom, erst gar nicht zur Welt zu bringen. Bislang gibt es nur eine sichere Möglich­keit, Trisomie 21 im Mutter­leib festzu­stellen: durch eine Frucht­was­ser­un­ter­su­chung um die 15. Schwan­ger­schafts­woche herum, die für den Fötus nicht ungefähr­lich ist. Hat eine Frau diesen Test nicht gemacht, können schwere Fälle von Trisomie erst durch eine Ultra­schall­un­ter­su­chung sieben Wochen später entdeckt werden. Die Eltern müssen dann zu einem Zeitpunkt, an dem ein Fötus schon lebens­fähig ist, entscheiden, ob sie das Kind bekommen oder abtreiben.

Der neue Bluttest dagegen ist schon in der 10. Schwan­ger­schafts­woche möglich. Risikolos, schmerz­frei und zu einem Zeitpunkt, da die Mutter das werdende Kind im Bauch noch nicht spürt. Aller­dings zu einem Preis, den sich nicht jeder leisten kann: Um die 1.000 Euro wird der Test wohl kosten.

Vergan­gene Woche auf dem Welttag Downsyn­drom stand der Test im Zentrum der Diskus­sion. Die Kritiker befürchten, dass nun noch mehr Föten, bei denen das Downsyn­drom diagnos­ti­ziert wird, abgetrieben werden als bisher. Sie empfinden den Test als diskri­mi­nie­rend, weil er Menschen mit Downsyn­drom das Lebens­recht abspreche.

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