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Diskri­mi­nie­render Filmtitel — SAT.1 und die “Mongo­lettes”

28/03/2012 | Presse und Medien

Was hat SAT.1 da nur geritten? Auf der Suche nach einem Titel für eine eigen­pro­du­zierte Famili­en­ko­mödie über Rockmu­siker mit Down Syndrom hat der Sender eine eigen­ar­tige Wahl getroffen: “Die Mongo­lettes — Wir wollen rocken!”. Trisomie-21-Betrof­fene als “Mongos”? Geht’s noch?

Hannover. Wer macht eigent­lich bei SAT.1 die Filmtitel? Ein Elfjäh­riger? Da hat der Sender also einen Film gedreht. Es geht um eine Band aus behin­derten und nicht­be­hin­derten Musikern, denen der erfolg­lose Gitar­rist Tom Berger (Max von Thun) die Freude am Rock ’n’ Roll vermit­telt. So weit, so nett. Einige der Musiker haben Trisomie 21. Normale Menschen sprechen auch vom Down-Syndrom. Und wie nennt SAT.1 seine „Famili­en­ko­mödie“? „Die Mongo­lettes – Wir wollen rocken!“.Mongolettes. Mongos. Geht’s noch? Deutsch­land disku­tiert über Inklu­sion, die „Sonder­schule“ heißt jetzt „Förder­schule“, die Gesell­schaft wagt kleine Schritte auf dem Weg zur Norma­lität – und SAT.1 haut einen Titel raus, der wohl ironisch nach Schul­hof­schnack klingen soll („Ey, du Mongo!“) und doch aus den düstersten Niede­rungen der Intole­ranz kommt.

Die Bezeich­nung „mongo­loid“ stammt von 1866 – einer Zeit also, als Menschen mit geistigen Beein­träch­ti­gungen „Idiot“ genannt und an Metall­betten geschnallt wurden. Die Mongolei bat die WHO dann 1965, den Begriff nicht mehr zu verwenden. „Der Ursprung des Wortes ist rassis­tisch“, sagt Peer Brocke, Sprecher der Bundes­ver­ei­ni­gung Lebens­hilfe. Der Filmtitel sei mindes­tens „unglücklich“.Doch bei SAT.1 ist man sich keiner Taktlo­sig­keit bewusst. „Wir hatten da keine Bedenken“, sagt eine Sprecherin. Man habe den Titel „bewusst gewählt“, damit der Film Aufmerk­sam­keit errege. Im Übrigen sei der Begriff „Trisomie 21“ für einen Filmtitel halt ungeeignet.

„Wir wissen auch, dass das politisch unkor­rekt ist, aber das Wort ‚mongo­loid‘ ist im Sprach­ge­brauch veran­kert.“ Provo­ka­tion! Hui! Nichts gegen politi­sche Unkor­rekt­heit. Nichts ist schlimmer als verkrampfte Kunst­wörter wie „anders­be­gabt“ oder „seelen­pfle­ge­be­dürftig“. „Mongo“ aber ist nicht politisch unkor­rekt, sondern einfach dämlich. Wer das Wort im Jahr 2012 verwendet, um Menschen mit einem dreifa­chen 21. Chromosom zu bezeichnen, gehört lebens­lang vor einen Fernseher geschnallt, auf dem nichts als SAT.1 läuft.

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Gefunden in:  Walde­cki­sche Landes­zei­tung / Franken­berger Zeitung 27.03.2012