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Nachruf auf Hans Zerban (Geb. 1953) “Das System lehne ich ab”

3/04/2017 | Presse und Medien

Was er alles hätte werden können: Kapitän, Regie­render Bürger­meister, Weltmeister, Polizei­chef. Im Krippen­spiel hat er die Maria gespielt. Seine Behin­de­rung sah er als Begabung: “Ich bin ein Mongole.” VON GREGOR EISENHAUER

Er war der Chef vom Ganzen. „Ich bestimme. Ihr tanzt nach meiner Pfeife.“ Wenn der Fahrdienst wie immer pünkt­lich um 7.45 Uhr kam, dann kam Hans wie immer 7.47 Uhr. So viel Zeit musste sein. „Wer legt denn fest, dass der neue Tag um null Uhr eins beginnt?“ Artikel eins seines ganz persön­li­chen Grund­ge­setzes: „Das System lehne ich ab!“ – „Welches System?“ – „Jedes System!“

Sein Äußeres entsprach durchaus seinem Selbst­be­wusst­sein. Hans Zerban hatte ein sehr präsi­diales Auftreten, und er war von daher auch nicht abgeneigt, sich für das höchste Staatsamt vorzu­schlagen, als Chris­tian Wulff zurück­trat. „Das wäre was für mich gewesen. Ich hätte auch kein Geld angenommen.“

Es gab eine Menge Ämter, die er sich vorstellen konnte, entspre­chend viele Schirm­mützen und Käppis hatte er gesam­melt. Er hätte Kapitän werden können, Pilot, Regie­render Bürger­meister, Weltmeister, Polizei­chef, Sicher­heits­be­amter. Im Krippen­spiel hat er die Maria gespielt. Jeden Tag ging er im Anzug zur Arbeit in der Behin­der­ten­werk­statt. In der Akten­ta­sche verwahrte er seine Brotdose und eine Handvoll Zimmer­manns­nägel, die sammelte er ebenso gern wie Schirm­mützen und Bierkrüge. Hans baute Lampen, malte Grußkarten, aber seine eigent­liche Funktion war die des Sicher­heits­chefs. Nachts, wenn alle schliefen, ging er durch die Flure und sicherte die Ein- und Ausgänge. Denn das war sein Zuhause. Da brachte ihn keiner mehr weg.

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