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Produ­zent Mirko Schulze über den Titel “Die Mongo­lettes“

2/04/2012 | Presse und Medien

“Ich sehe nicht ein, warum ich mich als Vater ständig in der Opfer­rolle positio­nieren muss.”

Als Vater einer Tochter mit Down-Syndrom bin ich natür­lich fast jeden Tag selbst mit dem Begriff “Mongo“ oder ganz oft “mongo­loid“ konfron­tiert. Und das höre ich nicht nur von ungebil­deten Hinter­wäld­lern, sondern in der Regel von durchaus gebil­deten Menschen mit Abitur und Studium, sehr oft auch von Ärzten (!) und Integra­ti­ons­be­auf­tragten (!!!). Also durchaus Menschen von denen man annehmen könnte, dass sie mit Begriffen wie Integra­tion und Inklu­sion etwas anfangen können. 

Jetzt stehe ich also als Vater vor der Entschei­dung, den Rest meines Lebens diese Leute zu korri­gieren “Du, Entschul­di­gung, man sagt nicht “mongo­loid“, sondern “Mensch mit Down-Syndrom“, oder besser noch “Mensch mit Trisomie 21“. Und das zu Menschen, die es eigent­lich schon besser wissen müssten. Und selbst wenn es mir gelingen würde, Ihnen die Begriff­lich­keit einzu­häm­mern, hätte ich dann ihre Haltung geändert? Ich glaube kaum.

Daher ein Titel wie “Die Mongo­lettes“. Ganz sicher kein Wohlfühl­titel und ganz sicher auch polari­sie­rend, aber nicht wegen der puren Lust an der Provo­ka­tion. Doch ich sehe nicht ein, warum ich mich als Vater ständig in der Opfer­rolle positio­nieren muss und um die “korrekte“ Bezeich­nung bitte. Warum darf ich nicht wie die Schwarzen (“Nigger“) oder Homose­xu­elle (“Schwule“) das Schimpf­wort benutzen, um ihm die kränkende Wucht zu nehmen?

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